Art Karlsruhe

Donnerstag 13. – Sonntag 16. Februar 2020

Kurzführer (PDF) Halle 2, Stand B 11 Skulpturenstand A 17 mit Lore Bert Hallenplan (PDF)

Art Karlsruhe 2020

SWR2-Messetalk live

Dr. Dorothea van der Koelen im Gespräch mit Moderator Andreas Langen

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Galeristin und Verlegerin Dr. Dorothea van der Koelen

Das ausklingende erfolgreiche Jahr ihres 40. Jubiläums bringt neuen Schwung ins Haus von Dr. Dorothea van der Koelen, Galeristin, Verlegerin, Stifterin, Kuratorin und Kunsthistorikerin. Sie erhielt bereits die Max-Slevogt-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz (2014) und die Gutenbergstatuette der Stadt Mainz (2019). Ihre aufsehenerregende Jubiläumsausstellung »WAR – IST – WIRD« beglückte zahlreiche internationale Besucher, Sammler, Museumsleute und wurde in den Medien gefeiert. Auf der ART KARLSRUHE 2020 möchte Dorothea van der Koelen ihr Jubiläum und den runden Geburtstag großer Meister mit vier OMS feiern. Direkt aus Venedig kommt schließlich das Werk der Künstlerin Lore Bert: Eine Erkenntnis-Säule aus dichroitischem Glas, eingebettet in ein weißes Meer aus Papier. Nun wird sie auf dem Skulpturenplatz der ART KARLSRUHE gezeigt.

Künstler

Lore Bert - Erleuchtung
Lore Bert Erleuchtung

Bereits zum zweiten Mal beeindruckte die Künstlerin Lore Bert (*1936) das Biennale-Publikum in Venedig mit einer raumgreifenden, einzigartigen Installation in der Kirche San Samuele: »Erleuchtung – Wege der Erkenntnis (Heureka)«, zwei durchsichtig leuchtende Säulen (4,32 m) aus dichroitischem Glas, eingebettet in ein weißes Papiermeer (10 x 10 m), eine Hommage an das Licht und eine Reflexion über seine Wirkung auf die menschliche Wahrnehmung. Eine dieser dichroitischen Säulen wird nun an einem eigenen Skulpturenplatz in Karlsruhe präsentiert. Die feinen, farbigen Nuancen des dichroitischen Glases changieren je nach Lichtverhältnissen und lösen ein Phänomen aus, das an das Schauspiel eines Regenbogens erinnert. Sie faszinieren den Betrachter und laden ihn ein, den Raum aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und dabei zu entdecken, wie subjektiv und vieldeutig die eigene Wahrnehmung und Interpretation der Welt sein kann.

Heinz Gappmayr - Farben
Heinz Gappmayr Farben

Ihre Jubiläumsausstellung widmet die Galeristin dem Künstler Heinz Gappmayr (*1925 † 2010). Mit der Dissertation »Das Werk Heinz Gappmayrs – Darstellung und Analyse« wurde Dorothea van der Koelen 1993 zum Dr. phil. promoviert. Der Titel ihrer Ausstellung bezieht sich auf einen ontologischen Bildtext des großen österreichischen Künstlers »WAR – IST – WIRD«. In diesem Werk präsentiert Gappmayr drei ‘einfache’ und aufgrund der Komposition dennoch vielschichtige Worte und entfaltet damit einen philosophischen Diskurs um das Thema ›Sein‹ und den Begriff ›Zeit‹. In Karlsruhe zeigt van der Koelen auch ein weiteres Werk Gappmayrs: »Farben« (1983/93, 10-teilig, je 160 x 110). Die Primärfarben Gelb, Rot, Blau und die Nichtfarben Schwarz und Weiß erscheinen einmal in der oberen Reihe als eindeutige Farbflächen und einmal in der unteren Reihe als purer und offener Begriff, der für alles Rote oder Blaue oder Gelbe, Schwarze und Weiße steht. Ein signifikantes Werk, in dem es um das Fundamentale in der Kunst geht, um den Dialog zwischen Vorstellung und Wahrnehmung.

Fabrizio Plessi - Splash
Fabrizio Plessi Splash

Der Venezianer Fabrizio Plessi (*1940 ) wird 80! Er gilt weltweit als ein Pionier der Videokunst. Seine Art und Weise mit Video-Elementen zu arbeiten, unterscheidet sein Schaffen aber von der reinen Videokunst. Ihn interessiert das Video als flüssiges Element, das sich stets verwandelt. In seiner Arbeit gibt es Wasser, Feuer oder Lava immer in Bewegung. In Karlsruhe zeigt Dorothea van der Koelen ein sehr malerisches Werk aus der aktuellsten Serie von Plessi »Splash« (2019, Videoinstallation mit 2 TV): Das fließende und schwebende digitale Wasser tritt ins Gespräch mit der intensiv leuchtenden Farbe Grün. Ähnlich wie in seinem Documenta-Werk »Roma« fällt auch hier ein Stein in unregelmäßigem Takt ins farbige, virtuelle Wasser und setzt einen akustischen wie visuellen Akzent in der kontemplativen Stimmung der Installation.

Günther Uecker - Graphein
Günther Uecker Graphein

Auch den 90. Geburtstag des großen Zero-Künstlers Günther Uecker (*1930) möchte Dorothea van der Koelen mit einer OMS feiern. In Mecklenburg geboren, erlebt Uecker als Kind dort den Krieg. Diese frühen Erfahrungen beeinflussten später seine künstlerische Entwicklung. Eine ‘stille’ Haltung spricht aus Ueckers Auseinandersetzung mit den Formen historischer Schriftentwicklung seit den Anfängen der mesopotamischen Keilschrift vor ca. 3.000 Jahren. In der wertvollen Publikation »Günther Uecker – Graphein« (2002) tritt er ins Gespräch mit seltenen und kostbaren Textproben aus verschiedensten Epochen und Ländern. Bei diesen Arbeiten benutzt er nur die runde Form des Nagelkopfes und verzichtet auf jegliche linienförmige, schriftähnliche Zeichen. In diesem Kontext entstand auch das Werk ohne Titel (300 x 150 cm). Mit einem breiten Pinsel malt er weiße Punkte auf ein Tuch. Wie von einem leichten Wind bewegt, scheinen diese unregelmäßigen weißen Punkte schwerelos im Raum zu schweben, sich zu verdichten und plötzlich wieder zu lösen.

Raimund Girke - Lichtes Strukturfeld
Raimund Girke Lichtes Strukturfeld

Auch der viel zu früh gestorbene ‘Maler des Lichts’ Raimund Girke (*1930 † 2002) hätte dieses Jahr seinen 90. Geburtstag gefeiert. »Weiss ist Ruhe und Bewegung, ist Aktivität und Passivität. Weiss ist Reinheit und Klarheit. Weiss ist grenzenloser dimensionaler Raum, ist immateriell. Weiss ist reine Energie.« (Raimund Girke). Im Unterschied zu den Zero-Künstlern hat Girke seine Bildwerke nie in die dritte Dimension geführt. Als reiner Maler bleibt er tatsächlich auf der Fläche. Doch scheint die durch Licht und Schatten hervor­gerufene räumliche Komponente in seinen Bildern stets werkimmanent zu sein. Wenn er auf seinen Leinwänden die Farbe als Materie aufbringt, erzeugt er immaterielle Illusionen von Räumlichkeit, ohne aber plastische Elemente zu verwenden. Sein zart leuchtendes Weiß lebt und vibriert. Um den langjährigen Freund und großartigen Künstler zu feiern, zeigt Dorothea van der Koelen in Karlsruhe eine OMS mit besonderen Werken Girkes wie »Lichtes Strukturfeld« (Öl auf Leinwand, 160 x 200 cm, 1999).

Sebastian Dannenberg - POINT OF VIEW
Sebastian Dannenberg POINT OF VIEW

Sebastian Dannenberg verortet Malerei im Raum. Seine Interventionen unternehmen den Spagat zwischen Raumbezug und der autonomen Qualität einer transportablen Arbeit. Sein Versuch Malerei dort zu behaupten wo Sie normaler­weise nicht passiert, an Decke, Boden, in Durchgängen, als Wandklammer oder in Ecken, ist ein additives Verfahren. Trotz dieses Hinzufügens scheint dem Betrachter seine typische Raumwahrnehmung genommen. Die Arbeiten konturieren und inszenieren die Architektur, sodass eine Neusicht auf vermeintlich Bekanntes passiert. Die Präzision und der Werkwitz münden in einer postminimalistischen Arbeitsweise, die sich zwar ästhetischen Minimal-Strategien bedient aber durch manus und duktus am Schluss eine subjektiv transformierte künstlerische These formuliert. »Ich male und möchte die Handlung des Malens auch offen legen«, so Dannenberg.

Mohammed Kazem - Collecting Light No. 2
Mohammed Kazem Collecting Light No. 2

Nach seinen frühen Erfahrungen mit Malerei einerseits und Performance andererseits begann Mohammed Kazem Anfang der 90er Jahre an der Werkgruppe ›Scratches‹ zu arbeiten, bei der sich schon viele Aspekte seiner künstlerischen Persönlichkeit zeigten: Ein Spiel mit der Materie, welches das Werk ins Dreidimensionale erweitert, und der Versuch das Ungreifbare (den Sound, das Licht und – auf einer existentiellen wie philosophischen Ebene – den Raum und die Zeit) in einem Moment festzuhalten und zu visualisieren. Dieser Geist prägt auch die neueste Werkserie »Collecting Light«: Der Künstler ‘sammelt’ etwas, was ‘nicht sammelbar’ zu sein scheint: Das Licht und seine Wirkung auf die Materie, den Schatten von Objekten oder Pflanzen in der Umgebung und den Raum in einem spezifischen Augenblick, in dem der Künstler mit seinem Körper und seinen Sinnen präsent ist.

Wulf Kirschner - Buchobjekt II
Wulf Kirschner Buchobjekt II

Wulf Kirschner Hauptwerkstoff ist der Schiffsbaustahl. Unter Verwendung unter­schied­lichster Bleche und Elektroden, die er zeilenweise darauf schweißt, gelingt es dem Bildhauer seinen Reliefs eine poetische Farbigkeit und malerische Struktur zukommen zu lassen. Je nachdem welches Material er verwendet, können seine Bildwerke eine farbig schillernde Oberfläche (z.B. bei Chromnickelstahl-Elektroden) aufweisen oder in warmen Erdtönen (ST37) Harmonie erzeugen. Wulf Kirschner hat sich der Unendlichkeit der Linie verschrieben, sie ist sein Gestaltungs­element. Mit seinen flachen, ebenen Reliefs erzielt er skulpturale Effekte, die durch seine Technik der Schweißspurenbilder wiederum ins Malerische umgekehrt werden. Auf diese Weise entstehen Zeilen, wie die eines Buches.

Carolin Liebl und Nikolas Schmid-Pfähler - Echo Entity
Carolin Liebl und Nikolas Schmid-Pfähler Echo Entity

Carolin Liebl und Nikolas Schmid-Pfähler arbeiten seit 2012 als Künstlerduo und haben kürzlich ihr Kunststudium an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main mit Auszeichnung abgeschlossen. Bereits dort erlangten sie ihren künstlerischen Ausdruck durch die Wahl ihrer Medien: sie arbeiten mit unterschiedlichen Technologien, die den Inhalt und das ästhetische Material der Werke bilden. Ihre Arbeiten sind häufig skulptural, teils kinetisch oder robotisch, oft auch installativ. Beispielsweise setzen sie Metall, Kunststoff und Drähte durch Elektrizität in Bewegung. Dabei wird die Technik nicht versteckt sondern ästhetisch inszeniert und schafft so eine Symbiose von Funktionalität und dem Inhalt der Technik. Die jungen Künstler beschäftigen sich mit den Auswirkungen technischer Entwicklungen auf ästhetische und soziale Aspekte des menschlichen und nichtmenschlichen Lebens. Das Medium - die Technologie - ist dabei sowohl Träger gesellschaftlicher Konventionen, als auch bildnerisches Material. Ihre Objekte unterschiedlicher Dimension, Form und energetischer Expression, untersuchen das Potenzial elektrischer Energie, das Wesen dieses Materials und die Selbstwahrnehmung des Menschen in seiner Beziehung zu diesem. Bei all der Schönheit der verwendeten Materialien, der Präzision des Aufbaus und Strenge der Konzeption offenbaren ihre Werke doch zugleich ein großes Maß an Humor und Emotion in ihrer kinetischen Bewegung.

François Morellet - Faut le fer n° 2
François Morellet Faut le fer n° 2

Das grundlegende Element der Kunst von François Morellet ist die Linie. Die Form und Anordnung der Bildelemente wirkt zufällig, bewegt sich aber stets innerhalb der festgelegten Grenzen der zugrundeliegenden Ordnung. Die Schaffung dieser Systeme ist ein integraler Bestandteil des künstlerischen Prozesses, der mit viel Humor und Kreativität einhergeht.

Reinhard Roy - O - 2908
Reinhard Roy O - 2908

Der Punkt und damit auch das Punktraster werden bereits in den 1980ern zum grundlegenden formalen Mittel seiner Kunst. Der Künstler benutzt den »Punkt als Gestaltungsmittel zur Darstellung räumlicher Wirkungen auf der Fläche« so Reinhard Roy. Diese erzielt er mittels einer Rasterschablone. Durch mehrfach aufgetragene, sich überlagernde Punktraster entsteht unter Verwendung einer differenzierten Farbenpalette und Hell- und Dunkeltönen auf der Leinwand ein effektvolles Flimmern. Die Leinwand gerät auf faszinierende Weise in Bewegung und bringt den Betrachter zum Staunen. Die plastischen Arbeiten bestechen durch klare Formen. Geometrische Flächen wie Kreise, Quadrate und Ovale überträgt Roy ins Dreidimensionale. Ähnlich wie bei seinen Punktrastern erzielt Roy eine Strukturierung durch ebenfalls linienweise angeordnete Punkte/ kreisrunde Löcher, die in das Material gestanzt werden.

Turi Simeti - Trittico nero, beige e blu
Turi Simeti Trittico nero, beige e blu

Turi Simeti, *1929 in Alcamo, Sizilien geboren, ist einer der bekanntesten Vertreter der italienischen Zero-Bewegung aus dem Umkreis um Lucio Fontana und Piero Manzoni. Er gehörte zu jenen etwa 30 Künstlern, welche Lucio Fontana – der bereits in den 50er Jahren mit seinen raumerobernden Arbeiten ›Concetti spaziali‹ (Raumkonzepte) neue Wege einschlug und das Bild zum Relief werden ließ – als »Zero-Avantgarde« 1965 in seinem Atelier vorstellte. Diese Künstler wendeten sich von der traditionalen Malerei sowie herkömmlichen Materialien ab und eroberten mit ihrer Kunst den Raum und das Licht.

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